11.02.2020 | Neu-Ulm

Leichter leben durchs Internet

Bürger und Politiker tauschen sich in Gesprächsrunden im Orange Hotel Neu-Ulm über die Digitalisierung und die digitale Welt aus.

Beim Speed-Dating versuchen Singles auf Partnersuche in kurzer Zeit möglichst viele fremde Menschen kennenzulernen. In Wahlkampfzeiten greifen scheinbar auch Politiker im Bestreben nach der Gunst des Wählers auf diese Methode zurück. So luden die bayerische Digitalministerin Judith Gerlach, die Landtagsabgeordnete Beate Merk, Landrat Thorsten Freudenberger, die Oberbürgermeisterkandidatin Katrin Albsteiger und die Mitglieder der Jungen Union zum Schlagabtausch in kleiner Runde ins Orange Hotel in Neu-Ulm ein.
 


Mit einem üppigen Fragenkatalog beschäftigten sich abwechselnd die drei Gesprächsrunden des sogenannten "KlarTextTalks": Was heißt Digitalisierung konkret für Land, Landkreis und Stadt, was wurde bereits umgesetzt, wie ist der Stand der laufenden Projekte und was bleibt zu tun?
 
Digitalministerin Judith Gerlach war zu Gast in Neu-Ulm
Gerlach, die das Digitalministerium vor gut einem Jahr aufgebaut hat, sprach von den Chancen und Entlastungen für die Bürger, wenn die Nutzung der digitalen Möglichkeiten unkomplizierter gehalten werden. Sie nannte als Beispiel den Onlineausweis, der noch immer kaum genutzt werde, weil die Registrierung kompliziert sei. Dagegen würden die meisten Menschen sich über das Onlineportal des Finanzamtes problemlos identifizieren, was sich auch auf andere Behörden übertragen lassen würde.
 
Leichter leben durchs Internet
Landrat Freudenberger warb für die Idee, zukünftig in den Bürgerbüros einfache Belange an einem Computer-Terminal abzuwickeln. Gleichzeitig stellte er aber klar, dass der digitale Kollege den Menschen deshalb nicht ersetzen, sondern unterstützen solle: „Der Bürger muss auch in Zukunft die Möglichkeit haben, sich an einen kompetenten Mitarbeiter wenden zu können.“ Neue Wege zu gehen, kann sich Freudenberger vorstellen, wenn es um die Außendarstellung der Behörden geht. Durch ein Nachrichtenportal könnten die Bürger über aktuelle Themen in der Region informiert werden: „Wir müssen vor allem bei jungen Menschen für die Demokratie werben.“
 
OB-Kandidatin Katrin Albsteiger will eine eigene App für Neu-Ulm
Die Landtagsabgeordnete Beate Merk erklärte, dass die rasanten Veränderungen der vergangenen Jahre viele Menschen verunsichert hätten. Doch nicht zuletzt habe die digitale Revolution auch Fortschritte gebracht, wenn etwa Mediziner ihre Erfahrungen weltweit online austauschen könnten oder computergesteuerte Pflegeassistenten Menschen mit körperlichen Einschränkungen helfen würden.
 
Für die Oberbürgermeisterkandidatin Katrin Albsteiger gehen die digitalen Entwicklungen der vergangenen Jahre in Neu-Ulm noch nicht weit genug: „Man kann seinen Hund online anmelden oder die Lohnsteuerkarte beantragen – das war es.“ Auch sie sprach sich für ein digitales Bürgerbüro aus und erklärte: „Die Leute schreien förmlich nach einer Neu-Ulm-App, auf der regionale Informationen ausgetauscht werden können.“
 
Quelle: https://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Leichter-leben-durchs-Internet-id56724701.html